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4. Kluge KI-Nutzung

Jede Technologie kann so und so genutzt werden. Kant formulierte bereits 1784 den Kern des Problems

Kant

Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!"

Diese Aufforderung zur geistigen Selbstständigkeit ist heute aktueller denn je. Kant warnte vor der "selbstverschuldeten Unmündigkeit" - dem Zustand, in dem Menschen aus Bequemlichkeit oder Furcht ihren Verstand nicht selbst gebrauchen, sondern sich auf andere verlassen. Übertragen auf KI: Die Gefahr liegt nicht in der Technologie selbst, sondern darin, dass wir uns mental abhängig machen und aufhören, eigenständig zu denken. KI sollte uns beim Denken unterstützen, aber niemals das Denken ersetzen.

4.1 KI: Funktionsweise

Künstliche Intelligenz (KI) funktioniert nicht so wie unser menschliches Gehirn. Sie "versteht" Texte oder Bilder nicht wirklich, sondern erkennt Muster in riesigen Datenmengen und wiederholt diese. Stell dir vor, du lernst eine Sprache nur durch das Auswendiglernen von Millionen Sätzen, ohne die Bedeutung zu verstehen – so ähnlich arbeitet KI.

Deshalb kann KI manchmal sehr überzeugend klingen, aber trotzdem falsche Informationen liefern. Diese Fehler nennt man "Halluzinationen" – die KI "erfindet" dann Fakten, die plausibel wirken, aber nicht stimmen. Genau deshalb braucht es immer noch uns Menschen, die wichtige Entscheidungen treffen und die Ergebnisse der KI kritisch prüfen. Dafür benötigt man aber solides Grundwissen und die Fähigkeit, Informationen zu hinterfragen – Kompetenzen, die man nur durch eigenes Lernen und Verstehen entwickelt.

Es gibt viele verschiedene KI-Technologien: manche sind gut im Übersetzen, andere im Bilderkennen oder Schachspielen. Jede hat ihre Stärken, aber auch ihre Grenzen und ist für bestimmte Aufgaben besser geeignet als für andere.

Wichtig zu wissen ist auch: KI-Systeme werden von Unternehmen entwickelt und trainiert. Diese Firmen geben der KI durch spezielle Trainingsmethoden und Systemanweisungen bestimmte Grundregeln und Verhaltensweisen vor – eine Art "Gebrauchsanweisung" für das System. Dadurch können die Firmen bewusst beeinflussen, wie die KI antwortet und welche Standpunkte sie bevorzugt. Dabei fließen oft unbewusst die Werte und Weltanschauungen der Firmen mit ein.

Ein weiteres Problem: KI-Systeme können Vorurteile aus ihren Trainingsdaten übernehmen und verstärken. Wenn zum Beispiel in den Daten hauptsächlich Männer als Ingenieure gezeigt werden, könnte die KI lernen, dass nur Männer diesen Beruf ausüben können. Solche Verzerrungen können auch durch die Art entstehen, wie die KI entwickelt oder getestet wird.

Deshalb ist es wichtig, dass ihr nicht für jede Aufgabe sofort zur KI greift. Nur wer selbst denkt, lernt und übt, entwickelt die Fähigkeiten, um KI-Ergebnisse richtig einschätzen zu können. Eure eigenen Kenntnisse und euer kritisches Denken bleiben unverzichtbar!

4.2 Selbst Lernen macht klug

Genau wie man erst laufen lernt, bevor man Auto fährt, solltet ihr zunächst grundlegende Denkfähigkeiten entwickeln.

  • Wer sofort auf KI zurückgreift, entwickelt möglicherweise nie eigene Problemlösungsstrategien.
  • Frühe KI-Nutzung kann zu einer Krücke werden, die das eigenständige Denken hemmt.
  • Der Lernprozess durch Fehler und Anstrengung wird übersprungen und die wichtige Frustrationstoleranz wird nicht entwickelt.
  • Die KI kann Fehler machen, diese erkennt man aber nur, wenn man die Ausgabe der KI beurteilen kann und dies erfordert Erfahrung und Wissen.

4.3 Umweltbelastung und Ressourcenverbrauch

  • KI-Modelle benötigen massive Rechenzentren, die kontinuierlich Strom verbrauchen.
  • Kühlung der Server verbraucht große Mengen Wasser.
  • Training und Betrieb von KI-Systemen verursachen erhebliche Emissionen.

4.4 Kluge KI-Nutzung

Wenn ich in einem Gebiet Expertin bin, kann ich KI nutzen, um effizienter zu arbeiten. Hierfür benötige ich ein gutes Fachvokabular und einen guten Überblick über das Problem, um gute Prompts formulieren zu können und mich auch nicht mit der ersten Lösung zufrieden zu geben, sondern gute Hinweise zu geben, wie der Code beispielsweise robuster oder besser wartbar gemacht werden kann.

Ich kann KI auch als Tutorin nutzen. Folgende Prompts am Beispiel von HTML - jedes andere Themengebiet und Problem gehen natürlich auch - können die KI in diese Rolle versetzen:

  • Lass uns einen sokratischen Dialog führen, der mir hilft, HTML kritisch zu betrachten und besser zu verstehen (in Anlehnung an 1).
  • Erstelle ein Gespräch zwischen einer Web-Expertin und einer neugierigen Schülerin, die keine Ahnung von HTML hat.
  • Sei meine ermutigende Tutorin und hilf mir, Konzepte wirklich zu verstehen. Biete mir Erklärungen, Beispiele und für mich passende Analogien. Gib mir keine sofortigen Antworten oder Lösungen für mein Problem, sondern führe mich schrittweise mit passenden Leitfragen nach dem Konzept der minimalen Hilfe dazu, das Problem selbst zu lösen. Warte nach jedem Tipp oder Frage meine Antwort ab.Ich habe bisher keine Vorkenntnisse zu HTML oder anderen Web-Technologien. Ich bin eine Schülerin der achten Klasse. Meine Aufgabe ist: Erstelle einen Steckbrief in HTML. (vgl. 2).
  • Analysiere den am Ende stehenden HTML-Code von mir und hilf mir beim Lernprozess durch gezielte Fragen und Hinweise. Weise mich auf Probleme hin, ohne sie für mich zu lösen. Stelle mir Fragen, die mich zum Nachdenken anregen. Gib mir minimale Tipps. Gib mir Hinweise, wie ich meine Lösung selbst prüfen kann. Aber alles ganz langsam und warte nach jedem Tipp oder Frage meine Antwort ab. Hier ist meine Lösung:... - (vgl. 2)

4.5 KI-Tools

Es gibt verschiedene KI-Chatbots. Die meisten funktionieren auch ohne Registrierung und teurer Anmeldung.

Personenbezogene Daten

Gib niemals persönliche Daten oder echte Namen in KI-Tools ein.

Auch ohne Anmeldung bist du meist über dein Gerät identifizierbar. Was du schreibst, kann gespeichert und dir zugeordnet werden.

Verwende immer: Fantasienamen, erfundene Beispiele, anonyme Daten.

Im Folgenden findest du einige Tools, die ich häufig verwende

  • Lumo - erfordert keine Registrierung, europäisch, verspricht hohe Datensicherheit, Open Source und damit auch prüfbare Sicherheit.
  • Perplexity - erfordert keine Registrierung, liefert die Quellen mit, so dass ich mir diese ansehen und die Aussagen überprüfen kann (ist die Quelle gut, wie alt ist die Quelle, ...). Betrieben von Perplexity AI mit Hauptsitz in den USA (San Francisco, Kalifornien).
  • mistral - erfordert keine Registrierung, europäisch, liefert meist gute kurze Antworten. Betrieben von Mistral AI, ein französisches Startup mit Hauptsitz in Paris.
  • Um einen ersten Überblick für Forschungsfragen zu bekommen, nutze ich scispace, elicit, notebooklm und consensus.

In vielen IDEs ist Github-Copilot aktivierbar und meine Studierenden fragen bei Code gerne Phind.

Und natürlich gibt es die Platzhirsche Claude, ChatGPT und Gemini.


  1. K. Opper. Im sokratischen dialog mit ki. 2023. URL: https://www.e-teaching.org/praxis/erfahrungsberichte/im-sokratischen-dialog-mit-ki (visited on 29.07.2025). 

  2. Lilach Mollick Ethan Mollick. Student use cases for ai: part 2: ai as personal tutor - customizing the student learning experience. 2023. URL: https://hbsp.harvard.edu/inspiring-minds/ai-as-personal-tutor (visited on 29.07.2025).